"Tiere können nicht für sich selbst sprechen.

Und deshalb ist es so wichtig,

dass wir als Menschen unsere Stimme für sie erheben und uns für sie einsetzen."

 

                                                               Gillian Andersom



Bei Verhärtung und Schwellung unbekannter Ursache droht jetzt Amputation

Simba

Der Schreck über die von einem diensthabenden Tierarzt einer Tierklinik vorgeschlagene grundlose Operation ihres Leonbergers Simba sitzt der Besitzerin noch heute in den Gliedern.

 

Nachdem die seitens des niedergelassenen Tierarztes durchgeführte Kastration komplikationslos verlaufen war (hier ein Foto des Operationsfeldes für interessierte Leser), vergrößerte sich knapp drei Wochen nach dem Eingriff der Hodensack in der Nacht vom 08. auf den 09. September 2012 (das Datum ist später noch von Bedeutung), einem Sonntag, um mehr als das Doppelte. Das Gewebe war darüber hinaus hart und prall. Simba wollte an diesem Morgen nicht fressen und verhielt sich ruhiger als sonst. Die gemessene Körpertemperatur war allerdings unauffällig.

 

Außerdem trat an der Operationsnaht, die noch die Fäden enthielt, eitriges Exsudat aus, was die Besitzerin beunruhigte, da sie nicht wusste, ob die Vergrößerung des Hodensacks möglicherweise auf eine Eiteransammlung ungeahnten Ausmaßes zurückzuführen war; dies nicht zuletzt auch, weil Simba am Abend zuvor auf der Hundewiese wild mit einem anderen Hund gespielt hatte. Zudem hatte sich kurz nach der Kastration ein Bluterguss gebildet, der sich allerdings bereits - unterstützt durch die Gabe von Arnika D4 - in der Rückbildungsphase befand. So stand zu befürchten, dass sich möglicherweise durch das wilde Spiel erneut ein Bluterguss oder Schlimmeres gebildet hatte.

 

Daher entschloss sich Simba's Frauchen, kurzfristig eine Tierklinik aufzusuchen in der Erwartung und Hoffnung, dass eine fachkundige Untersuchung Klarheit bringen würde.

 

Diese Hoffnung erfüllte sich allerdings nicht, obwohl bei der Untersuchung der bisherige Heilverlauf und der Grund des aktuellen Besuches genau geschilderte wurde.

 

Genauso gut hätte Simba's Besitzerin von ihrem letzten Urlaub erzählen können, denn das Telefax, das der Tierarzt später diktierte, enthielt nichts von alledem. Vielmehr ist es in sich widersprüchlich und erneut eine Dokumentation über das, was regelmäßig in den Tierarztpraxen abläuft und einmal mehr ein Beweis dafür, dass Tierärzte oftmals nur bestrebt sind, schnell und dauerhaft Kasse zu machen.

 

Der diensthabende Tierarzt führte zunächst eine Fiebermessung durch. Anschließend nahm er den vergrößerten Hodensack in Augenschein und tastete ihn ab. Die Körpertemperatur gab keinen Anlaß, um auf eine Entzündung zu schließen. Richtig war daher die Äusserung, dass "diese Schwellung durch ein Antibiotikum wahrscheinlich nicht mehr weggehen wird." Weiterhin fügte der Tierarzt noch hinzu, dass es für ihn nicht erkennbar ist, weshalb der Hodensack nun so geschwollen ist, d.h. ob er mit Eiter oder geronnenem Blut gefüllt ist. Bei dem nachfolgend erteilten Rat war er sich aber absolut sicher:

 

"Am besten, Sie lassen den Hund gleich hier. Wir schneiden ihm dann morgen alles weg."

 

Über das Entsetzen von Simba's Besitzerin war der Tierarzt sehr erstaunt und ergänzte durch eine Handbewegung, wo und wie genau der Schnitt bündig zur Bauchdecke vorgenommen werden sollte. Da Simba's Besitzerin diese "Behandlung" rigoros ablehnte, ergriff der Tierarzt die schon bereit liegende Spritze und erklärte, dass er nun ein Antibiotikum spritzen werde, da der Hodensack ja etwas warm sei. Das Antibiotikum hätte eine Wirkungsdauer von 48 Stunden und könnte ja dann per Tablette weitergegeben werden.

 

Zur Klarstellung:


Die Antibiotika-Gabe erfolgte aufgrund normaler Körpertemperatur, also ohne dass Fieber festgestellt wurde und ohne, dass eine weitere Untersuchung - etwa auf geschwollene Lymphknoten oder weitere Entzündungszeichen - erfolgte. Zudem hatte der TA ja zuvor darauf hingewiesen, dass eine Antibiotikabehandlung keine Besserung bringen wird. Trotzdem wurde das Mittel - völlig sinnlos - eingesetzt.

 

Diese seine Feststellungen und insbesondere der dringende Rat zur Operation sollten dem Haustierarzt per Telefax zur Kenntnis gebracht werden.

 

Das Fax, welches von Anfang bis Ende fehlerhaft ist, können Sie hier abrufen.

 

Bereits das Datum der Untersuchung ist falsch. Es war nicht der 10.09., sondern der 09.09.2012.

 

Laut "Vorbericht" hat der Patient "an der Wunde geleckt". Er hatte aber wild mit einem anderen Hund gespielt. Dies mag zwar im vorliegenden Fall für die weitere Behandlung unbedeutend sein; es zeigt aber dennoch, dass der Tierarzt der Patientenbesitzerin überhaupt nicht zugehört hat.

 

Während der "Untersuchung" hatte der "muntere Patient eine Körpertemperatur von 38,6 C". Trotzdem erhielt er ein Antibiotikum(!). Was nun unter "hardt" zu verstehen ist, wird der Tierarzt oder die Helferin wissen, die das Telefax geschrieben hat. Das unter dem Punkt "Behandlung" namentlich genannte Mittel "Veracin" sollte Simba nach der 48-stündigen Wirkungsdauer in Tablettenform weiternehmen. Bereits an dieser Stelle sei erwähnt, dass es Veracin nicht in Tablettenform gibt...Dies hätte ein Klinik-Tierarzt wissen müssen!

 

Schließlich findet sich am Ende des Kurzberichtes das Wichtigste und vor allem Einträglichste: Der Rat zur operativen Entfernung.

 

Grund genug hierfür ist die Tatsache, dass - wie im Vorbericht festgestellt - "der Hodensack jetzt größer ist". Vorsicht ist also für alle Tierhalter geboten, die mit einem verhärteten und vergrößerten Körperteil ihres Haustieres eine Tierklinik aufsuchen...

 

                                             Amputation droht!

 

Auf diesen wichtigen Rat wies auch die Helferin an der Rezeption nochmals mit erhobenem Zeigefinger beim Verlassen der Tierklinik hin.

 

Am folgenden Montag suchte die noch immer von diesem Erlebnis traumatisierte Hundebesitzerin die Urlaubsvertretung ihres Haustierarztes auf. Dieser hörte sich die ganze Geschichte an, schüttelte den Kopf und sagte, dass es bei großen und spät kastrierten Rüden häufig vorkommt, dass eine Lymphabflussstörung eintritt, sich also ein Ödem bildet, das sich von selbst wieder zurückbildet, was auf Wunsch durch die Gabe von Entwässerungstabletten beschleunigt werden kann.

 

Die Verabreichung des Antibiotikums war nach dem Ergebnis der an diesem Tag gründlich durchgeführten Untersuchung überflüssig. Zur Vermeidung von Resistenzen musste es noch zwei weitere Male - völlig unnötig- verabreicht werden. Hierzu musste die Tierarztpraxis aufgesucht werden, da das Mittel - wie eingangs erwähnt - nicht in Tablettenform existiert. 

 

Es sind weitere Kosten entstanden, ohne dass die Behandlung der Gesundheit des Hundes zuträglich war. Im Gegenteil: Darmflora und Immunsystem wurden erneut geschwächt - eine gute Basis für erneute Krankheiten, die den Tierarztbesuch notwendig machen (könnten).

 

Die Eiterbildung an der Operationsnaht war auf eine Abwehrreaktion des Organismus gegen das verwendete Fadenmaterial zurückzuführen. Simba hatte Glück, weil seine Besitzerin nach dem Inhalt des Zitates von Gillian Andersom handelt.

 

Viele andere Tierhalter hätten sich einschüchtern lassen und die Amputation eines gesunden Körperteiles zugelassen.

Simba's Hodensack hat sich zwischenzeitlich deutlich zurückgebildet - wie es der niedergelassene Tierarzt, bei dem Simba sich gut aufgehoben fühlte, prophezeit hatte.

 

Dieses Resultat hätte jedoch auch ohne jegliche, tierärztliche Hilfe erreicht werden können.