Lilly's rechtes Auge war ein wenig rötlich - anderthalb Wochen später war sie tot!

Lilly

Lilly's Besitzerin hatte aus dem Telefonbuch eine Tierärztin zur Anfertigung eines Blutbildes und Durchführung einer Urinuntersuchung bei ihrer Katze  herausgesucht, weil diese von der zuvor aufgesuchten Tieraugenärztin angeordnet worden waren.



Was sie fand aber nicht ahnte war eine unternehmerisch geschulte Veterinärin, die es verstand, aus einer neben dem eigentlichen Überweisungsgrund gestellten, sehr fragwürdigen Diagnose ein Abhängigkeitsverhältnis zu schaffen, durch das die harmlose Augenerkrankung der Katze, die sicherlich homöopathisch hätte geheilt werden können, fast völlig in Vergessenheit geriet.

 

Einzig und allein die Behandlung der neu festgestellten Erkrankung führte am sechsten Behandlungstag zum qualvollen Tod der zuvor noch munteren Katze.

 

Die zunächst aufgesuchte Tieraugenärztin fand für ein leicht gerötetes Auge eine sehr professionell klingende lateinische Bezeichnung: Hypertensive Retinopathie (Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck)

 

                    Die Sprache der Ärzte ist notgedrungen mit viel

                    Fremdworten durchsetzt; es ist die medizinische

                    Gaunersprache.


                                              August Bier (1861-1940), dt. Mediziner u. Biologe

 

Sie überwies Lilly an eine "Allgemein"-Veterinärin zwecks Durchführung eines Blutbildes und Urinuntersuchung und sah die einmal überwiesene Patientin nie wieder. Warum zur Behandlung eines leicht geröteten Auges eine kostspielige Blutuntersuchung durchgeführt werden muss, wird wohl das Geheimnis der Fachärztin bleiben. Die Allgemeinveterinärin schenkte dem leicht geröteten Auge jedenfalls wenig Beachtung bzw. tat die Rötung als altersbedingt ab. Sie fand jedoch eine Behandlung mit einem Kortison-Vitamin B Komplex per Injektion für angebracht, obwohl Kortison eine blutdruckerhöhende Wirkung hat. Kortison gehört zu den Glucocorticoiden. Glucocorticoide haben eine verstärkende Wirkung auf die Glucagon-induzierte Expression der Gluconeogenese-Enzyme. Glucagon ist der Gegenspieler des Insulin. Es hat also eine blutzuckererhöhende Wirkung. Dies und auch die Tatsache, dass die eher selten in Tierarztpraxen vorgestellte Lilly während der Blutentnahme, die nach der ersten Kortison-Spritze durchgeführt wurde, so aufgeregt war, hatte möglicherweise zur Folge, dass die Blut- und auch die Urinuntersuchung für die Allgemein-Veterinärin klar und eindeutig zum Ergebnis hatten, dass Lilly an Diabetes erkrankt ist. Zwar gestand die Tierärztin ein, dass der erhöhte Blutzuckerwert stressbedingt sein kann; jedoch führte sie "sicherheitshalber" danach keine weitere Kontrolle mehr durch, die diese zu ihrem Glück gefundene, chronische Erkrankung mehr in Frage stellen konnte. Mehr noch; sie verabreichte in den folgenden Tagen weitere Kortison-Vitamin B Komplex Spritzen, um den hohen Blutzuckerspiegel zu halten und förderte darüber hinaus die bluthochdruckbedingte Augenerkrankung . Die gleichzeitige Gabe von Insulin, welches bekanntermaßen blutzuckersenkend wirkt, führte lediglich wieder zu einer Normalisierung des Blutzuckerspiegels, diente also nicht der Behandlung einer vorhandenen Diabetes. Erst die doppelte Verabreichung von Insulin führte bei Lilly zu einer schweren Unterzuckerung. Sie erfolgte, weil die Tierärztin behauptete, dass die erste Insulin-Spritze, welche die Besitzerin gegeben hatte, "daneben gegangen" sei und führte ihr anschließend die Hand bei der Verabreichung der zweiten, tödlichen Dosis. Von der eine Stunde später zu Hause zusammengebrochenen, sich in Krämpfen windenden Lilly wollte die Tierärztin dann auch nicht mehr viel wissen. Sie empfahl, die Katze "einfach liegen zu lassen" und abzuwarten. Die erste Fehldiagnose nachdem keine Besserung eintrat lautete "Epileptischer Anfall". Nachdem aber weiterhin keine Besserung eintrat, änderte sich die Diagnose in "Hirnschlag". Obwohl zuvor noch von einem Transport in die Tierarztpraxis abgeraten wurde (zu diesem Rat sah sich der "fachkundige" Ehemann der Tierärztin veranlasst), sollte dieser nun doch zwecks Verabreichung einer Infusion erfolgen.

 

Schweren Herzens ließ Lilly's Besitzerin ihre geliebte Katze in einer bereits geschlossenen Tierarztpraxis, in der niemand mehr anwesend war, zurück.

 

Am nächsten Morgen wurde telefonisch mitgeteilt, dass man "alles versucht" aber die Katze nicht habe retten können.

 

Einzig und allein die wegen mangelnder Erreichbarkeit und Zweifeln an den gestellten Ferndiagnosen immer wieder kontaktierte Tieraugenärztin erkannte die Ursache allen Übels. Sie riet zur Gabe von in Wasser aufgelöstem Zucker. Sie wies Lilly's Besitzerin auch darauf hin, dass die Wirkung von Kortison - Vitamin B Komplexen bei einer "Augenerkrankung", wie sie bei Lilly angeblich vorlag, wissenschaftlich nicht nachgewiesen ist. Sie rief sogar die niedergelassene Tierärztin u.a. an, um sie darauf hinzuweisen, dass sie bei Lilly einen Bluthochdruck festgestellt hatte, dessen Vorkommen bei Katzen von der Allgemein-Veterinärin bestritten worden war. Das Gespräch zwischen den beiden akademischen Fachkräften hatte zur Folge, dass die Tieraugenärztin Lilly's Besitzerin zwar noch einen abschließenden Rat erteilte; diesen aber nicht von ihr erteilt wissen wollte.

 
 

Dieser Rat wird nun nicht mehr benötigt. Lilly ist tot!

 

Ihre Besitzerin hat den Verlauf des Dramas und den Teufelskreis, in den sie da geraten war aufgeschrieben.

 

Ihren Bericht können Sie sich hier herunterladen.